Gasthaus - Pension zur Kugelmühle - Berchtesgaden
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Kugeln

zu Mozarts Zeiten


Wer in Salzburg und Reichenhall nach einer leckeren heimischen Spezialität Ausschau hält, mit der er seinen Gaumen erfreuen könnte, der braucht nicht lange zu suchen. Er findet sie vielfach angepriesen, in den "Mozartkugeln", die gleichsam zum lukullischen Symbol der Gegend geworden sind.
Mozart hätte es sich freilich nicht träumen lassen, daß sein Bildnis einmal dieser Süßigkeit der Zuckerbäcker als gängiges Markenzeichen dienen würde.

Kugeln, die eine Salzburger Besonderheit darstellten und sich nicht minderer Beliebtheit erfreuten, gab es jedoch schon zu seiner Zeit:

Die Kugeln zu Mozarts Zeiten waren nicht süß und zum Essen, sondern aus Stein.

Sie bestanden also nicht aus Schokolade und Marzipan, sondern aus echtem Marmorstein und wurden von den Fremden gerne als Andenken gekauft.

Wie in unseren Tagen die Mozartkugeln überall die Feinschmecker ergötzen, so bildeten damals die Untersberger Marmorkugeln ein begehrtes Kinderspielzeug, die bis in entfernteste Länder wanderten:

Schon im 16. Jahrhundert war man im Berchtesgadener- und Salzburger Land auf den Gedanken gekommen, aus dem schönen Untersberger Marmor Kugeln zu schleifen und ersann dafür eigene kleine Mühlen, die mit Wasser betrieben wurden. Meist waren es die Müller, aber auch andere Handwerker oder Bauern, die sich mit der Herstellung der bunten Steinkugeln befassten und damit zu einem kleinen Nebenverdienst kamen.
Allmählich entwickelte sich diese Tätigkeit zu einem ganzen Industriezweig und es entstanden in der Umgebung von Berchtesgaden, Marktschellenberg und Salzburg mehr und mehr solcher Kugelmühlen. Am bekanntesten waren später jene bei den Fürstenbrunnen in Glanegg und die Kugelmühle in Marktschellenberg an der Almbachklamm.

Die Kugelmüller holten sich das entsprechende Gestein von den nahe gelegenen Steinbrüchen oder aus dem Geschiebe der Flüsse und Bäche. Fundstellen gab es an vielen Orten wie im Wiestal, Elsbethen, Watzmann-, Hochkalter- und Göllgebiet. Besonders ergiebig und bevorzugt war der Thalgauer Steinbruch bei Wartenfels, wo das Gestein eine aschgraue Farbe mit braunen und roten Streifen hatte, die dann den Kugeln ein buntes, abwechslungsreiches Aussehen verliehen.

Die Herstellung war allerdings eine mühevolle Arbeit, denn die Steine mussten zugehauen werden, was große Geschicklichkeit erforderte. An einem Tag konnte man etwa tausend Stücke schlagen.
Im Sommer besorgten die Kugelmüller diese Arbeit an Ort und Stelle, im Winter in den Wohnräumen, wobei oft auch Frauen mithalfen.

Dann wurden die Würfel auf festliegende Mühlsteine gelegt, in denen sich kreisrunde Rillen befanden. Über diese Mühlsteine lief, vom Wasser in Bewegung gesetzt, ein Block aus Buchenholz, von dem die Steine gerieben wurden. Kleinere Kugeln waren schon nach vierundzwanzig Stunden fertig, größere brauchten drei bis acht Tage.

Als die Kugelmühlen immer mehr wurden, schaltete sich die Hofkammer ein. Jetzt mussten die Hersteller für die Errichtung jeder Mühle eine Bewilligung einholen und Abgaben leisten.
Obwohl die Kugelmüller daraufhin zu jammern begannen, daß "Kugelmachen wenig besser sei als Betteln" und sich der Betrieb kaum lohne, weil die Mühlen nur im Sommer bei ausgiebigen Regenfällen verwendet werden konnten, fanden die Untersberger Marmorkugeln insgesamt doch starken Absatz und wurden bald zu einem beachtlichen Handelsartikel.

Das Hauptgeschäft machten damit allerdings nicht die kleinen Leute, sondern die großen Handelshäuser wie Haffner und Hagenauer, von denen die Kugeln nicht nur einzeln verkauft , sondern auch in großen Mengen in das Ausland vertrieben wurden: Man verfrachtete sie auf der Salzach und schickte sie nach Hamburg, Rotterdam, Amsterdam und London.
Im Gasthaus Kugelmühle an der Almbachklamm hängt ein Frachtbrief der Firma Jacob & Schreppel - London, von wo aus die Kugeln der Familie Pfnür als gut brauchbarer Schiffsballast bis nach West- und Ostindien wanderten, wo sie dann verkauft wurden.

Da für die Ausfuhr der Kugeln Maut verlangt wurde, bildeten sie schließlich auch für das Erzstift eine nicht unbeträchtliche Einnahmequelle.

Scheffau - ein Ortsteil der Gemeinde Marktschellenberg - nahm die Kugelmühle in ihr Wappen auf.

Welcher Beliebtheit sich die Untersberger Kugeln erfreuten, geht aus der Tatsache hervor, dass es zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Berchtesgadener Land rund 90 Kugelmühlen, im Flachgau sogar über 450 Mühlen gab, die im Jahr bis zu 5 Millionen Kugeln herstellten.

Den einheimischen Kindern aber wurden die schönen Marmorkugeln, für die es die verschiedensten Namen gab, zum liebsten Spielzeug:
Sie hießen Schusser, Marmeln oder Moaberln, Datscher, Pekker oder Pemperer. Die weißen Kugeln nannte man auch Schimmeln und die roten Blutschwitzer.
Außerdem wusste man sich auf die verschiedenste Art damit zu vergnügen, wobei es strenge Spielregeln gab.

Im Frühjahr, gleich nach der Schneeschmelze, wenn der Boden noch weich war und daher die Kugeln gut darauf haften blieben, hatten es die Kinder bereits eilig mit dem Kugelspielen. Nicht selten wurde dann im Eifer eine Schulstunde versäumt. "Tean ma kuxn", hieß zunächst die Aufforderung zum Spiel.

Nach alter Überlieferung galt dabei eine Marmorkugel soviel wie zwei Sandsteinkugeln.
"Pext und gspannt, oane drauf, ballats zwoa", lautete dann der weitere Handel. "Pext" bedeutete, dass sich zwei Kugeln trafen, "gspannt", dass sie eine Handspanne weit auseinander zu liegen kamen, und "ballats", dass sie einander berührten.

Viele Kindergenerationen hatten so ihren Spaß an den Marmorkugeln, bis sie durch billigere aus Lehm und Zement ersetzt wurden und damit auch die Kugelmüllerei dem Ende zuging in unserem Tal.

Unsere Kugelmühle an der Almbachklamm besteht seit 1683.
Wir führen diesen alten Gewerbebetrieb als Attraktion für die Gäste unsere Gastwirtschaft und Pension "Zur Kugelmühle" weiter.

Unsere Gäste unterstützen so den Erhalt dieses alten Gewerbes durch ihr Interesse an Althergebrachten und ihr Souvenirbedürfnis.




Gasthaus - Pension "Zur Kugelmühle"
Familie Anfang
Kugelmühlweg 18
D-83487 Marktschellenberg / Berchtesgaden
Telefon: +49 (0)8650 461
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